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Gemeinsam die Integrationsbarriere durchbrechen

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Gemeinsam die Integrationsbarriere durchbrechen

Integration ist kein einseitiger Anpassungsprozess. Wahre Integration wird möglich, wenn Menschen aufhören, übereinander zu reden, und anfangen, miteinander zu reden. Die Schale können wir nur gemeinsam aufbrechen.

Die Geschichte der Migration von der Türkei nach Deutschland ist auch eine Geschichte aufgeschobener Entscheidungen, gegenseitig falscher Erwartungen und eines jahrelang anhaltenden Gefühls der Vergänglichkeit.

In den 1960er- und 1970er-Jahren galten türkische Arbeiter in Deutschland als Gastarbeiter: Sie kamen, arbeiteten und kehrten eines Tages zurück. Viele türkische Arbeiter sahen Deutschland ebenfalls nur als vorübergehenden Arbeitsort. Sie wollten einige Jahre arbeiten, Geld sparen, ein Haus oder Grundstück in der Türkei kaufen und anschließend zurückkehren.

Das Bildungsniveau, die Arbeitsbedingungen und das soziale Umfeld der ersten Einwanderergeneration erschwerten ihnen die Integration in die deutsche Gesellschaft. Es war nicht leicht für einen Arbeiter, der lange Stunden in einer Fabrik arbeitete, oft schwere körperliche Arbeit verrichtete und seinen Alltag unter Menschen verbrachte, die dieselbe Sprache sprachen, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.

Darüber hinaus gab es Menschen, die aus Sorge um den Schutz ihrer Religion, ihrer Kultur und ihrer Kinder in ihre eigenen Kreise zurückzogen. Einige hatten sich in den ersten Jahren entschieden, ihre Ehepartner und Kinder nicht nach Deutschland zu holen. Manche befürchteten, die Ankunft der Familie in Deutschland würde die kulturelle Identität der Kinder verändern, das religiöse Leben erschweren oder eine Rückkehr unmöglich machen.

Rückblickend auf die Frage „Wer trug die größte Verantwortung?“ lautet die Antwort wohl „der Staat“. Denn Macht, Ressourcen, Planungsbefugnis und die Verantwortung für langfristiges Denken lagen beim Staat. Jahrelang erkannte Deutschland nicht, dass es Arbeitskräfte importierte, aber keine Menschen aufnahm. Die Arbeitskraft der Arbeiter wurde benötigt, doch ihre Familien, Sprachen, Kinder und Zukunftsperspektiven fanden nicht genügend Beachtung. Deutschlands Unfähigkeit, die dauerhafte Zuwanderung damals vorherzusehen, war nicht nur ein politischer Fehler, sondern auch ein Mangel an Weitsicht, dessen gesellschaftliche Folgen bis heute spürbar sind.

Selbstverständlich entbindet uns die Diskussion über vergangene Fehler nicht von der Verantwortung für die Gegenwart. Das Profil der neuen Einwanderer aus der Türkei nach Deutschland hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Unter denjenigen, die vor politischer Unterdrückung, Gesetzlosigkeit und der Tyrannei des Erdoğan-Regimes fliehen, befinden sich viele Gebildete, darunter Akademiker, Lehrer, Ärzte, Ingenieure, Juristen, Journalisten und Fachkräfte aus anderen Bereichen. Die meisten von ihnen sind sich bewusst, dass sie in Deutschland ein dauerhaftes Leben aufbauen werden. Sie versuchen, die Sprache zu lernen, ihre Berufe wieder aufzunehmen, mit Deutschen zu kommunizieren und ihren Kindern eine neue Zukunft zu ermöglichen.

Doch Bildung bedeutet nicht automatisch Integration. Gute Deutschkenntnisse allein garantieren keine soziale Integration. An diesem Punkt sollte sich die neue Generation von Einwanderern ehrlich fragen: Wie offen sind wir wirklich für die deutsche Gesellschaft? Wir mögen zwar sagen, dass wir mit Deutschen in Kontakt treten möchten. Doch vielleicht verbringen wir unseren Alltag weiterhin mit Freunden aus der Türkei, unsere Wochenenden nur mit unserem eigenen Freundeskreis und besuchen soziale und kulturelle Veranstaltungen nur mit unserer eigenen Gruppe. Wir lernen vielleicht Deutsch, begeben uns aber nicht in die notwendigen sozialen Umfelder, um es zu sprechen. Wir warten vielleicht darauf, von Deutschen eingeladen zu werden, statt sie selbst einzuladen.

Manchmal müssen wir den ersten Schritt wagen. Einen deutschen Nachbarn auf einen Kaffee einladen, die Familie eines Freundes unseres Kindes kennenlernen, einem Sportverein beitreten, sich ehrenamtlich engagieren, Mitglied in lokalen Vereinen werden, Verantwortung bei Schul- oder Nachbarschaftsveranstaltungen übernehmen – all das sind kleine, aber wirkungsvolle Schritte. Soziale Bindungen entstehen nicht auf großen Konferenzen, sondern durch regelmäßige kleine Begegnungen.

Um eine Freundschaft mit einem Deutschen aufzubauen, müssen wir nicht erwarten, perfekt Deutsch zu sprechen. Sprache verbessert sich nur durch Übung. Die Angst vor Fehlern kann einen jahrelang auf der Stelle treten lassen. Einen Akzent zu haben, Wörter falsch auszusprechen oder Witze nicht sofort zu verstehen, ist nichts, wofür man sich schämen muss. Die meisten Menschen schätzen aufrichtige Kommunikationsbemühungen mehr als Grammatikfehler.

Ebenso sollten Einwanderer nicht ständig die deutsche Gesellschaft von außen aus beobachten und kritisieren. Deutschland ist nicht nur ein System, über das wir urteilen können, sondern auch ein gemeinsamer Lebensraum, in dem wir Verantwortung übernehmen können. Zu einem Land zu gehören bedeutet nicht nur, die Rechte dieses Landes einzufordern, sondern auch, sich für dessen Probleme einzusetzen. Die einsame ältere Person in unserer Nachbarschaft, unsere Rolle im Elternbeirat, Kommunalwahlen, Umweltthemen oder die Bedürfnisse von Freiwilligenorganisationen – all das sollte uns am Herzen liegen.

Auch wirtschaftliche und berufliche Beziehungen sind ein wichtiger Bestandteil der Integration. Zuwanderer sollten ihre Geschäftsaktivitäten nicht auf ihre eigenen Gemeinschaften beschränken, sondern ihre Dienstleistungen der gesamten Gemeinschaft anbieten. Die Zusammenarbeit mit türkischsprachigen Kunden mag zunächst einfach und unkompliziert erscheinen. Um jedoch dauerhaft in der Geschäftswelt Fuß zu fassen, bedarf es Partnerschaften mit deutschen Kollegen, der Mitgliedschaft in Berufsverbänden, der Präsenz in lokalen Netzwerken und des Vertrauensaufbaus.

Es ist jedoch weder fair noch realistisch, die Verantwortung für die Integration allein den Zuwanderern zuzuschieben. Die wichtigste Aufgabe der deutschen Gesellschaft ist es, ihnen nicht nur rechtlich, sondern auch menschlich die Tür zu öffnen. Es ist leicht, sich zu wünschen, dass jemand Deutsch lernt. Doch einen sozialen Kreis zu schaffen, in dem er Deutsch sprechen kann, ist viel schwieriger. Man kann einem Zuwanderer sagen: „Du musst dich in die Gesellschaft integrieren.“ Ihn aber in einen Freundeskreis, einen Verein, ein Arbeitsnetzwerk oder den Familienkreis aufzunehmen, erfordert echte Offenheit.

Ein gutes Beispiel für dieses gemeinsame Bemühen ist die Initiative „Ohne Sprache keine Heimat“ von Dr. Britta Zangen (https://www.britta-zangen.de/). Das Projekt bringt Deutschsprachige und Zuwanderer zusammen, die ihr Deutsch verbessern möchten. Während die einen die Initiative ergreifen, ihre Sprache zu verbessern und sich der neuen Gesellschaft zu öffnen, teilen die anderen ihre Zeit, ihre Sprache und ihre menschliche Nähe. Ein wöchentliches Online-Treffen von einer Stunde oder ein Treffen in einem Café, um über den Alltag zu sprechen, mag auf den ersten Blick nach einem kleinen Beitrag wirken. Doch es sind diese kleinen, regelmäßigen Begegnungen, die die Integration wesentlich fördern.

In vielen Teilen Deutschlands organisieren Vereine, Kirchen, Hilfsorganisationen und Freiwillige kostenlose Deutschkurse, Konversationsgruppen, Sprachcafés und Tandem-Sprachpartnerschaften. Diese Initiativen sind äußerst wertvoll. Staatliche Integrations- und berufsbezogene Sprachkurse sind zwar notwendig, doch Sprache lernt man nicht allein im Klassenzimmer. Um eine Sprache wirklich anzuwenden, muss man mit ihr interagieren, mit ihr scherzen, sich ausdrücken, Einladungen annehmen und schließlich Freundschaften in dieser Sprache schließen.

Daher sollte der Spruch „Ohne Sprache keine Heimat“ nicht nur als Warnung an Einwanderer verstanden werden. Einwanderer müssen die Sprache ihrer neuen Heimat lernen; die Gesellschaft muss aber auch Räume schaffen, in denen diese Sprache gesprochen werden kann.

Viele Einwanderer möchten enge Beziehungen zu Deutschen aufbauen, wissen jedoch nicht, wie sie diese knüpfen sollen. Das in der deutschen Gesellschaft stark ausgeprägte Bedürfnis nach Privatsphäre, die langsame Entwicklung von Freundschaften und die Schwierigkeit, bestehende soziale Kreise zu erweitern, können von Einwanderern manchmal als Ablehnung wahrgenommen werden. Was Deutsche als normale Distanz empfinden, kann von Einwanderern als Kälte wahrgenommen werden.

Deshalb müssen auch Deutsche hin und wieder den ersten Schritt machen. Anstatt einen neuen Nachbarn nur auf der Treppe zu grüßen, kann es viel bewirken, ihn zu einem Kaffee einzuladen, einen ausländischen Kollegen zum Mittagessen einzuladen oder die Familie eines Freundes des eigenen Kindes kennenzulernen. Einwanderer sollten nicht nur als Menschen in Not gesehen werden, sondern auch als potenzielle Freunde, Kollegen, Nachbarn und gleichberechtigte Bürger.

Integration bedeutet nicht, dass Einwanderer all ihre Andersartigkeit aufgeben. Die Muttersprache zu sprechen, den Glauben zu praktizieren oder Verbindungen zum Herkunftsland zu pflegen schließen die Zugehörigkeit zur Gesellschaft nicht aus. Die eigentliche Frage ist, ob diese Identitäten zu Mauern der Abgrenzung gegenüber der Gesellschaft werden.

Die eigene Kultur zu bewahren ist nicht dasselbe wie sich von der Gesellschaft zu isolieren. Deutsche Werte anzunehmen bedeutet nicht, die eigene Vergangenheit abzulehnen. Eine gelungene Integration ist ein Prozess, in dem man nicht zwischen zwei Welten wählen muss, sondern Verantwortung für beide trägt.

Die neue Einwanderungswelle bietet eine große Chance. Die heute ankommenden Einwanderer müssen nicht die Isolation früherer Generationen wiederholen. Auch Deutschland verfällt nicht dem Irrglauben, dass „sie sowieso alle wieder in ihre Heimat zurückkehren“. Diese Menschen werden hier arbeiten, ihre Kinder erziehen, Verantwortung in Institutionen übernehmen und zur Zukunft des Landes beitragen.

Damit dies gelingt, müssen beide Seiten ihre Gewohnheiten hinterfragen. Einwanderer müssen ihre Komfortzone verlassen, und Deutsche müssen ihre eigenen Türen öffnen. Einwanderer sollten nicht einfach nur Akzeptanz erwarten, und Deutsche sollten nicht einfach nur Assimilation fordern. Annäherung beginnt mit gegenseitigem Interesse. Wahre Integration wird möglich, wenn Menschen aufhören, übereinander zu reden und anfangen, miteinander zu reden.

Vielleicht lautet die Frage nicht: „Wie integrieren sich Einwanderer in die deutsche Gesellschaft?“ Diese Frage ist einseitig. Eine treffendere Frage wäre: Wie können Menschen, die in Deutschland leben, unabhängig von ihrer Herkunft, aufeinander zugehen?

Nur gemeinsam können wir die Mauern der Integration durchbrechen.