
Die anhaltende Blockade und die Angriffe im Gazastreifen haben sich zu einer der schlimmsten humanitären Katastrophen der modernen Geschichte entwickelt. Der Entzug von 2,3 Millionen Menschen von Nahrungsmitteln, Medikamenten, Treibstoff und Bildung gilt als schwerwiegender Verstoß gegen das Völkerrecht und das Gewissen der Menschheit.
Historische Analogien verdeutlichen dieses Bild. Während der Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg verloren Hunderttausende Zivilisten ihr Leben durch Hunger, Kälte und Bombardierungen. Auch Juden waren Opfer dieser Tragödie. Heute löst die Tatsache, dass ein Volk, das in der Vergangenheit ähnliche Unterdrückung erlitten hat, eine ähnliche Belagerung einer anderen ethnischen und religiösen Gruppe auferlegt oder angesichts dessen schweigt, Schock und tiefe Trauer aus.
Die Vereinten Nationen und humanitäre Organisationen haben wiederholt gewarnt: Der Hunger in Gaza ist zu einer systematischen Waffe geworden. Diese Situation widerspricht den grundlegendsten Prinzipien des Völkerrechts.
Die Blockade im Gazastreifen zielt nicht nur direkt auf das Grundrecht auf Leben, sondern auch auf das Recht auf Bildung ab. Universitäten werden bombardiert, Bibliotheken zerstört und Studierende gezwungen, ihr Studium abzubrechen. Tausende Studierende und Wissenschaftler haben entweder direkt ihr Leben verloren oder wurden ins Exil gezwungen. Dies bedroht die akademische Zukunft der Region.
Dies ist ein Testfall für die globale akademische Gemeinschaft. Um diese Verfolgung zu beenden, müssen wir unsere Stimme erheben, Solidaritätsnetzwerke aufbauen, Stipendien und Forschungsmöglichkeiten für aus Gaza vertriebene Studierende und Wissenschaftler schaffen. Internationale akademische Institutionen (z. B. Scholars at Risk, Scholar Rescue Fund) müssen sichtbarere Unterstützungskampagnen starten, und Universitäten müssen den Opfern beistehen, anstatt in humanitären Krisen neutral zu bleiben, und sich an das Prinzip „Nicht schweigen“ halten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Satz „Nie wieder“ zu einem gemeinsamen Mantra der Menschlichkeit. Die Ereignisse in Gaza zeigen jedoch, dass dieses Versprechen vergessen ist. Das jüdische Volk, das den Schmerz der Belagerung Leningrads am tiefsten spürte, schweigt heute angesichts der Verfolgung in Gaza – eine bittere Ironie der Geschichte.
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