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Die Produktion von Pseudowissenschaft nimmt zu.

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Die Produktion von Pseudowissenschaft nimmt zu.

Künstliche Intelligenz kann schreiben, aber sie kann nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Ein wissenschaftlicher Text ist eine auf überprüfbarer Realität basierende, verantwortungsvolle Aussage. Wenn diese Aussage nicht mehr zutrifft, bleibt keine Wissenschaft, sondern nur noch Pseudowissenschaft übrig.

Es ist heute fast unmöglich, in wissenschaftlichen Studien auf künstliche Intelligenz zu verzichten. Tatsächlich sollte sie in vielen Fällen eingesetzt werden. In Bereichen wie Sprachkorrektur, Übersetzungsunterstützung, Zusammenfassung, Textplanung, statistischer Kodierung und der Vereinfachung komplexer Konzepte ist künstliche Intelligenz eine wertvolle Hilfe für Forschende.

Zunächst müssen wir die Frage beantworten: Unterstützt künstliche Intelligenz die Arbeit der Forschenden oder ersetzt sie diese durch die Erstellung eines Textes? Es ist etwas anderes, wenn Forschende künstliche Intelligenz nutzen, um ihre eigenen Ideen besser auszudrücken, als wenn künstliche Intelligenz den gesamten Text, die Argumentationsstruktur und das Literaturverzeichnis verfasst und als ihre eigene wissenschaftliche Arbeit präsentiert. Internationale Organisationen für Publikationsethik haben diese Unterscheidung getroffen. Laut COPE dürfen KI-Tools nicht als Autoren präsentiert werden, da Autorschaft nicht nur die Textproduktion, sondern auch die Verantwortung für die Richtigkeit und Integrität des Werkes umfasst (https://publicationethics.org/guidance/cope-position/authorship-and-ai-tools). Auch das ICMJE betont die Notwendigkeit der Offenlegung des KI-Einsatzes und hebt hervor, dass menschliche Autoren die volle Verantwortung für die von KI generierten Texte, Grafiken und Ressourcen tragen (https://www.icmje.org/recommendations/browse/artificial-intelligence/ai-use-by-authors.html).

Eines der größten Probleme, das durch die Überschreitung dieser Grenze entsteht, ist die Erzeugung von „Halluzinationen“ durch KI. Insbesondere unüberwachte Modelle können Bücher, Artikel, Autoren, Zeitschriften, Seitenzahlen und DOI-Informationen generieren, die real erscheinen, aber tatsächlich nicht existieren.

Ein bemerkenswertes Beispiel aus der Türkei ist in diesem Zusammenhang die Doktorarbeit mit dem Titel „Die politischen und militärischen Beziehungen zwischen Toktamish Khan der Goldenen Horde und Emir Timur der Tschagatai-Dynastie“, die von Damira Makhanova am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Ankara verfasst wurde (https://tez.yok.gov.tr/UlusalTezMerkezi/TezGoster?key=KOgdn9H3uVnWeb15j2W4hxNPsKdqDnT_o7_nxp0jCES_jI7eqyjpDfhRGeNfUX8J). Das Deckblatt und die Genehmigungsseite der Dissertation weisen darauf hin, dass die Studie an der Universität Ankara unter der Betreuung von Prof. Dr. İlhan Erdem angefertigt wurde, dass fünf Professoren der Prüfungskommission angehörten und dass die Verteidigung am 27. Januar 2026 stattfand. Auf der Seite mit der Ethikerklärung versichert der Autor, dass alle Informationen gemäß den akademischen Regeln und ethischen Grundsätzen erhoben und alle Quellen vollständig zitiert wurden. Die Dissertation führt bestimmte Publikationen von İlker Evrim Binbaş als Quellen an. Binbaş selbst gibt in den sozialen Medien an, dass einige der Werke nicht von ihm stammen und die Situation ernst sei (https://x.com/evrimbinbas/status/2059896658104549533?s=46&t=rFptNgTuGJR_LxxD3-c8gA). Das Vorhandensein gefälschter oder unbestätigter Quellen allein beweist jedoch nicht zwangsläufig, dass der Text von künstlicher Intelligenz verfasst wurde. Diese Art der Quellennutzung ähnelt jedoch stark dem Problem der „halluzinierten Referenzen“, das im Zeitalter der künstlichen Intelligenz häufig auftritt. Wichtiger noch: Dieser Fall offenbart ein tiefer liegendes Problem, das über die künstliche Intelligenz hinausgeht. Der akademische Aufsichtsmechanismus an der Universität Ankara funktioniert nicht. Wenn eine Doktorarbeit systematisch nicht existierende oder nicht verifizierte Quellen zitiert, kann dies nicht einfach als individueller Fehler des Studierenden abgetan werden. Auch der Betreuungsprozess, die Prüfungskommission, die Kontrolle durch das Institut und die Qualitätssicherungsmechanismen der Universität müssen hinterfragt werden.

Dieses Beispiel ist symbolträchtig, da es zeigt, wie fragil die akademische Qualitätssicherung in einigen Bereichen der Türkei geworden ist. Das Problem besteht nicht nur darin, eine schlechte Dissertation zu schreiben, sondern eine solche Arbeit durch den akademischen Begutachtungsprozess zu bringen. Schlimmer noch: Wenn solche Fälle als Einzelfälle abgetan werden, produzieren akademische Einrichtungen weiterhin Dokumente statt Wissenschaft. Es sei angemerkt, dass dieses Problem nicht auf die Türkei beschränkt ist. Fälle von KI-bedingten Zitatverfälschungen werden in internationalen wissenschaftlichen Publikationen immer sichtbarer. Selbst in einigen Artikeln zur akademischen Ethik wurden zahlreiche gefälschte Quellen entdeckt. Eine Studie zeigt, dass einer von 277 in PubMed indexierten Artikeln eine gefälschte Quelle enthielt (https://retractionwatch.com/category/by-reason-for-retraction/reference-problems/).

Die zentrale Frage ist, wie die wissenschaftliche Integrität im Zeitalter der künstlichen Intelligenz geschützt werden kann. KI ist ein mächtiges Werkzeug, wenn sie wissenschaftliche Arbeit unterstützt. Wenn sie sich jedoch in eine Maschine verwandelt, die Texte, Argumente und Bibliografien ohne menschliche Kontrolle generiert, beschleunigt sie den akademischen Niedergang. Ein wissenschaftlicher Text ist ein auf überprüfbarer Realität basierendes Verantwortungsbekenntnis. Wenn dieses Bekenntnis zusammenbricht, bleibt keine Wissenschaft, sondern Pseudowissenschaft übrig.